BR-Jahrestagung – Strategische Ziele BR-Wahlen

Unsere Power für eine erfolgreiche Betriebsratswahl

Eine starke Vertretung der IGBCE in den gewählten Betriebsräten der Unternehmen ist nach der Wahl dringend notwendig. Dies zu erreichen und Gute Arbeit an den Standorten zu schaffen, muss gelingen. Die Podiumsdiskussion bei der BR-Jahrestagung „Strategische Ziele der Betriebsratswahlen 2026“ hat gezeigt, wie das zu schaffen ist.

Francesco Grioli © photovision

Von ausschlaggebender Bedeutung ist die gute Betriebsratsarbeit der Kandidat*innen in den Betrieben. „Die Stimmung in den Belegschaften wird unruhiger und wir müssen aufpassen und alles daransetzen, dass die Kolleg*innen eine Zukunft haben. Dafür brauchen wir unsere besten Interessenvertretungen in den Betrieben“, verdeutlichte Francesco Grioli, Mitglied des gHV der IGBCE, zu Beginn des von Merle Becker moderierten Podiums die reale Situation in den Unternehmen. Kajo Wasserhövel, Wahlkampf- und Kommunikationsprofi von der Agentur Elephantlogic, sowie Andrea Sacher, Betriebsrätin von Bayer in Berlin, folgten dieser Einschätzung und gingen weiter ins Detail.

„Wir befinden uns in unserem Unternehmen im Stellenabbau, und das ist für uns als Betriebsrat gerade vor der Wahl eine schwierige Situation“, so Andrea Sacher. „Die Belegschaft sieht nicht, dass wir für diesen Stellenabbau nicht verantwortlich sind, sondern wir vielmehr mit unserem Einsatz die Rahmenbedingungen für diesen Abbau gut verhandelt haben.“

Das müssen wir gut kommunizieren und tun dies auch. Dazu gehört es, Themen aufzunehmen, zuzuhören, „anfassbar“ zu sein für die Kolleg*innen und Antworten zu geben.“ Diese Kontakte nicht nur im Vorfeld der Wahl zu aktivieren, sondern langfristig und nachhaltig zu halten und zu fördern, ist für den Betriebsrat von Bayer eine klare Sache, so Sacher weiter.

BR-Jahrestagung: Dynamiken freisetzen

Kajo Wasserhöhel © photovision

Für den Kommunikationsexperten Kajo Wasserhöhel ist dies ein wirksames Instrument, das Gemeinschaft und Schlagkraft vereinen kann: „Die Perspektiven von Unternehmen und Konzernen trüben sich ein. Die Unsicherheiten sind spürbar und nehmen bei den Kolleg*innen zu.

Manche fangen an, aufeinander loszugehen, indem sie Fragen aufwerfen wie: Warum geht es anderen besser? Es gibt aber auch diejenigen, die gerade jetzt Gemeinsamkeiten suchen und verstanden haben, dass man in solchen Situationen zusammenstehen muss. Ich bin davon überzeugt, dass die Betriebsräte der IGBCE noch viel mehr Kraft haben, als sie derzeit in den Belegschaften entfachen. Diese Dynamik freizusetzen, darum geht es.“

Die verbale Aufbruchstimmung ordnete Francesco Grioli in die realbetrieblichen Situationen ein und unterstrich die Bedeutung der Betriebsräte: „Es geht in vielen Betrieben um eine wirtschaftliche Verunsicherung durch die Transformation. In den realbetrieblichen Situationen kann die IGBCE eine Menge Kraft entfalten, und das geht am besten in persönlichen Gesprächen an den richtigen Stellen. Die führen die Betriebsräte und die führen wir.

Hier ist aber auch die Politik gefragt, um die Rahmenbedingungen für eine gesunde Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen wieder zu schaffen.“ Im Folgenden fokussierte Grioli das Podium und die Besucher*innen der Tagung wieder auf die Betriebsratswahl: „Ja, wir haben eine Menge Power. Klar ist aber auch, dass diese Power vom Mitmachen lebt. Wir müssen die Belegschaften mitnehmen, durch die Betriebe gehen und mit den Leuten reden, um zu erfahren, was sie brauchen. Und wir müssen vermitteln, dass man Betriebsratsarbeit nicht allein macht, sondern mit der IGBCE und mit den Kolleg*innen an der Seite. Das ist der wichtigste Schritt. Wir brauchen viele Tausende Kolleg*innen, die das mit uns machen wollen, die Begeisterung und Leidenschaft für die Sache entfachen.“

BR-Jahrestagung: Warum kandidierst du?

Andrea Sacher © photovision

Durch die Betriebe gehen – davon konnte Andrea Sacher beispielhaft berichten. Ihre Aktion, die eigene Abteilung zu verlassen und vorübergehend mit den Kolleg*innen eines anderen Bereichs zu arbeiten, brachte viele vorteilhafte Erkenntnisse: „Ich bin für drei Tage in die Produktion gegangen, die ich persönlich gar nicht kannte, und habe dort mit den Kolleg*innen gearbeitet. Die waren total überrascht und erst skeptisch. Aber dann habe ich erfahren, was die Kolleg*innen in der Produktion brauchen, damit es für sie besser läuft.“

Gleichzeitig habe sich aus der Aktion eine Art Gemeinschaftsgefühl entwickelt, erzählt Andrea Sacher weiter, wodurch sie heute als bekanntes Gesicht von den Leuten aus der Produktion gegrüßt wird. „Das ist für Betriebsrät*innen gerade vor der Wahl, aber nicht nur vor einer Wahl sehr wichtig und ein großes Plus.“

Eine Aussage, die Kajo Wasserhövel bestätigte. Zusätzlich gab er Einblicke, wie er Kandidat*innen im Laufe eines Wahlkampfs begleitet: „Wenn ich Kandidat*innen berate, kläre ich zunächst drei Fragen: Warum kandidierst du? Was willst du verändern? Wie erklärst du das den Wähler*innen? Nicht wenige kommen bei der ersten Frage schon ins Schlingern. Aber genau diese Antworten müssen klar definiert sein. Wenn ich selbst nicht formulieren kann, warum ich kandidiere, kann ich andere nicht zu meiner Wahl motivieren.

Um dies zu tun, sollte man beherzigen, dass eine Meinungsbildung meist durch Gespräche funktioniert. Hat man die Zeit, liest man sich auch mal in Themen ein und recherchiert eigenständig. Aber meistens hört man sich verschiedene Punkte an und bildet sich eine Meinung. Das funktioniert am besten im persönlichen Austausch. Das bloße Verschicken von Mailings bringt da nichts. Das ist bei einer Bundestagswahl genauso wie bei einer Betriebsratswahl.“

Lothar Wirtz, Erschienen in Ausgabe 7 vom Navigator am XX.XX.2025
Titelbild:  © photovision