Wer meckert, muss machen!

Ein lachendes und ein weinendes Auge: Wenn die Babyboomer in ihren wohlverdienten Ruhestand gehen, verlieren wir gleichzeitig verdienstvolle Betriebsrät*innen. Umso wichtiger sind die Begeisterung und Bereitschaft junger Menschen, sich gewerkschaftlich in und mit der IGBCE zu engagieren. So wie die JAV-Vorsitzende Johanna Orth, tätig bei Roche, im Gespräch bei der BR-Jahrestagung. Wir wollten wissen, warum sie lieber mitgestaltet und mitbestimmt, als andere machen zu lassen. Ein Beispiel, das Lust auf mehr macht.
Lothar Wirtz im Auftrag der BWS: Warum bist du gewerkschaftlich tätig?
Johanna Orth: Ich wusste schon vor Beginn meiner Ausbildung zur Chemielaborantin 2019, dass ich direkt nach Ausbildungsstart in die IGBCE eintreten werde. Der Solidaritätsgedanke und das Wissen, Teil einer starken Gemeinschaft zu sein, die sich für die Rechte der Arbeitnehmer*innen einsetzt, haben mir gefallen. So bin ich auch Teil der Mitbestimmung geworden, denn ich wollte mich für andere einsetzen. Also habe ich mich 2020 bei der JAV-Wahl aufstellen lassen und wurde auch gewählt. Mittlerweile bin ich in meiner dritten Amtszeit, springe auch auf einigen IGBCE-Veranstaltungen herum und freue mich, neue und alte Gesichter mit derselben Motivation zu treffen.
Lothar Wirtz im Auftrag der BWS: Wieso hast du dich auch in den JAV-Wahlvorstand wählen lassen?
Johanna Orth: Ich habe mittlerweile zwei JAV-Wahlen als Teil der JAV miterlebt. Bei der ersten wollte ich einfach mal beobachten, wie das Ganze so abläuft, und bei der zweiten wollte ich dann mitmachen. Ich liebe Demokratie und demokratische Prozesse. Da ist die Organisation einer Wahl gemeinsam mit den Kolleg*innen eine passende Herausforderung. Es war natürlich auch ab und an stressig, aber das Ziel, mit einer gut organisierten Wahl ein Gremium in der Mitbestimmung zu etablieren, hat mich motiviert. Unterm Strich hatte ich total viel Spaß, durfte viel lernen und habe mich deshalb umso mehr gefreut, dass ich jetzt auch Teil des Wahlvorstands zur BR-Wahl sein darf.
Lothar Wirtz im Auftrag der BWS: Wann habt Ihr euch mit dem Thema der BR-Wahl 2026 erstmals beschäftigt?
Johanna Orth: Wir haben uns schon Ende 2024, Anfang 2025 mit dem Thema BR-Wahl beschäftigt. Ich durfte dieses Jahr im Frühjahr auf der Betriebsversammlung als Vertrauensfrau den Aufschlag machen und habe mit meinem Beitrag versucht, die Kolleginnen zu motivieren, selbst schon darüber nachzudenken, ob sie nicht mitgestalten wollen. Ich habe davon erzählt, dass ich nach dem Motto lebe: „Wer meckert, muss machen!“ Es ist vollkommen okay, sich zu beschweren, aber wer sich beschwert, sollte auch an Lösungen mitarbeiten, und da ist eine BR-Wahl die perfekte Gelegenheit. Nicht alle müssen kandidieren und sich laut für die Kolleginnen einsetzen, aber alle, die dürfen, sollten ihr Wahlrecht nutzen. Denn nur mit einer starken Arbeitnehmervertretung kann im Betrieb etwas für die Kolleg*innen erreicht werden.
Lothar Wirtz im Auftrag der BWS: Wie wichtig ist der Teamgedanke und wie kam es zu dem professionellen Support für den BR-Wahlkampf?
Johanna Orth: Der Teamgedanke ist uns superwichtig. Meine Kollegin Kim Klaas und ich haben das Vertrauen der Fraktion und der Vertrauensleute bekommen, uns um die Kampagne zu kümmern. Aber wir können zu zweit natürlich keine Kampagne stemmen. Wir brauchen ein großes Team, das mit uns gemeinsam die geplanten Aktionen umsetzt. Zusätzlich haben wir Unterstützung bekommen, da wir Schwerpunktbetrieb der IGBCE bei dieser BR-Wahl sind. Kim und ich haben uns total gefreut, dass wir professionelle Unterstützung bekommen von erfahrenen Personen, die uns bei der Planung und Erstellung von Materialien unterstützen. Umsetzen müssen wir das Ganze dann aber im Betrieb als Team.
Lothar Wirtz im Auftrag der BWS: Wie sieht dein Wahlkampf in den letzten Monaten praktisch aus?
Johanna Orth: Wir sind jetzt mitten in der Listenaufstellung und dann geht es richtig los, unsere Themen und die Gesichter der Kandidat*innen bekannt zu machen.
Lothar Wirtz im Auftrag der BWS: Welche Themen habt ihr in den Fokus genommen?
Johanna Orth: Wir haben innerhalb der Fraktion vier Kernthemen herausgearbeitet, zu denen wir uns positionieren werden: Qualifizierung in der Transformation, Langzeitkonto, Familie und Beruf sowie Mobiles Arbeiten. All das sind Themen, die uns und unsere Kolleginnen im Betrieb beschäftigen und zu denen wir Expertinnen in unserer Fraktion haben.
Lothar Wirtz im Auftrag der BWS: Was erwartest du dir von der Wahl?
Johanna Orth: Ich wünsche mir, dass alle wahlberechtigten Kolleg*innen wählen gehen und wir so wieder eine starke IGBCE-Fraktion im Betriebsrat schaffen, mit der wir uns weiter für die Belegschaft einsetzen dürfen. Außerdem wünsche ich mir, dass viele junge Gesichter gewählt werden.
Lothar Wirtz im Auftrag der BWS: Vielen Dank!
Lothar Wirtz, Erschienen in Ausgabe 7 vom Navigator am XX.XX.2025
Titelbild: © photovision




