Weiterbildung ist der Schlüssel der Transformation

Geprägt von seiner früheren gewerkschaftlichen Arbeit fand Olaf Lies nach eigener Aussage einst seinen Weg in die Politik und als heutiger Ministerpräsident von Niedersachsen auch auf die BR-Jahrestagung der IGBCE. Auf dem Podium hob er die Bedeutung gelebter Demokratie in den Betrieben hervor, von Bildung und der Bewältigung von Transformation durch Zusammenstehen und Mitbestimmung auf dem Weg, die Zukunft zu gestalten.
Lothar Wirtz im Auftrag der BWS: Welche Botschaften wollen Sie auf der 18. BR-Tagung zum Thema „Demokratie im Betrieb“ vermitteln?
Olaf Lies: Demokratie im Betrieb heißt starke Mitbestimmung, Respekt vor guter Arbeit und Rückenwind für Betriebsräte. Wo Menschen mitreden und mitgestalten, wächst der Zusammenhalt – den brauchen wir, damit die Transformation gelingt.
Lothar Wirtz im Auftrag der BWS: Sie sind viermal direkt in den Landtag gewählt worden, waren Landesminister für Wirtschaft und Aufsichtsratsmitglied bei VW. Als das Wirtschaftsressort an die CDU wechselte, wurden Sie 2017 Umweltminister, dann 2022 wieder Wirtschaftsminister von Niedersachsen. Heute sind Sie als Nachfolger von Stephan Weil Ministerpräsident. Was sagen Sie Menschen, die Politiker*innen vorwerfen, primär an die eigene Karriere zu denken?
Olaf Lies: Das will ich nicht für andere beurteilen. Ich bin nicht für Titel in die Politik gegangen, sondern um Verantwortung zu übernehmen und Lösungen zu liefern – eben weil ich etwas bewegen möchte. Das mache ich mit Demut vor dem Amt, aber eben auch täglich mit Freude und Begeisterung. Ämter sind kein Selbstzweck, sondern Auftrag, dort anzupacken, wo Wandel im Sinne der Menschen zu gestalten ist. Am Ende zählt immer, ob Entscheidungen das Leben der Menschen besser machen.
Lothar Wirtz im Auftrag der BWS: Unternehmen klagen über mangelnde Investitionssicherheit, hohe Kosten und Fachkräftemangel. Belegschaften klagen über mangelnde Investitionen in Standorte, fehlende gute Arbeit und zu wenig Know-how. Klingt nach einem klaren Aufgabengebiet. Was macht es so schwierig, die Dinge wieder auf Kurs zu bringen?
Olaf Lies: Schwierig ist es, weil wir derzeit gleichzeitig hohe Energiepreise, globale Konkurrenz, ein hartes neues Zoll-Regime im Welthandel, Fachkräftemangel und lange Verfahren bewältigen müssen. Wir bringen das auf Kurs mit schnelleren Genehmigungen, verlässlicher Infrastruktur und Planungssicherheit für Investitionen. Ziel ist: Standorte sichern, Innovation ermöglichen, gute Arbeit halten.
Lothar Wirtz im Auftrag der BWS: Welche Rolle spielen Weiterbildung und Qualifikation für die Unternehmen und für die Mitarbeiter*innen in den Betrieben?
Olaf Lies: Weiterbildung ist der Schlüssel der Transformation – sie gibt Beschäftigten Sicherheit und Unternehmen Innovationskraft. Mir geht es um passgenaue Qualifizierung, Lernzeit im Betrieb und starke Verbünde von Unternehmen, Kammern und Bildungsträgern. So gelingt der Übergang aus schrumpfenden Bereichen in neue, wachsende Jobs.
Lothar Wirtz im Auftrag der BWS: Bergbau, Chemie, Energie – systemrelevante Industrien stehen unter auferlegtem Druck und kämpfen. Ist es nachvollziehbar, dass sich immer mehr Wähler*innen aus der Arbeiterschaft radikalisieren?
Olaf Lies: Die Sorgen der Kolleginnen und Kollegen in der Industrie sind nachvollziehbar, Radikalisierung ist aber nicht die Antwort. Wir schützen industrielle Kerne mit wettbewerbsfähigen Energiepreisen und müssen Klimaziele realistisch neu bewerten. Wir brauchen Planungsbeschleunigung und investieren in Zukunftsprojekte wie Wasserstoff, Energienetze und Häfen. Unser Angebot ist klar: Sicherheit im Wandel, Respekt vor Leistung und klare Kante gegen Extremismus. Es geht jetzt allem voran um eines: die Sicherung von Arbeitsplätzen am Industriestandort Deutschland.
Lothar Wirtz im Auftrag der BWS: Vielen Dank!
Lothar Wirtz, Erschienen in Ausgabe 7 vom Navigator am XX.XX.2025
Titelbild: © photovision




